Interview: Duales BWL-Studium im Gesundheitswesen

BWL im Gesundheitswesen? Interview mit Hannah Maria Werner

 

Duales Studium Gesundheit - bigstock - duales studium guru

 

Frau Werner, Sie begannen 2004 Ihr duales BWL-Studium an der Nordakademie FH Elmshorn. Ihre Praxisphasen haben Sie bei Ihrem Partner aus dem Gesundheitswesen verbracht: dem Klinikum Itzehoe. Viele fragen sich: „BWLer in einer Klinik? Ich dachte, dort gibt es nur Ärzte und Krankenpfleger.“ Wie kamen Sie dazu, ein BWL Studium in Kooperation mit einem Klinikum anzufangen?

Tatsächlich hatte ich keine Erfahrung bezüglich einer kaufmännischen Tätigkeit im Gesundheitswesen. Ich wusste nach dem Abitur nicht genau, was ich studiere wollte. Eher zufällig bin ich über die Stellenanzeige des Klinikums Itzehoe gestolpert und habe mich beworben. Konkrete Überlegungen habe ich vorher nicht angestellt, in welcher Branche ich arbeiten möchte und was daraus für mich später resultieren würde. Ich habe dann in Kooperation mit dem Klinikum ein normales BWL Studium absolviert – einen Schwerpunkt Gesundheitswesen gab es nicht. Ich musste mich damit nicht zu Beginn meines Studiums ausschließlich auf den Gesundheitsbereich festlegen. Letztlich habe ich festgestellt, dass der Bereich Gesundheitswirtschaft mir sehr gut gefällt und für die Zukunft viel Potential bietet.

 

Gibt es Ihrer Ansicht nach gute Möglichkeiten, an noch mehr Infos über einzelne Branchen zu kommen? Zum Beispiel wenn man sich fragt, was genau man im Gesundheitswesen mit einem Wirtschaftsstudium später einmal anfangen kann?

Mir selbst war vor dem Beginn meines dualen Studiums nicht klar, wie meine Arbeit im Klinikum im Detail später einmal aussehen würde. Stünde ich nochmal vor der Studienwahl, würde ich versuchen, dies im Vorwege in freiwilligen Praktika herauszufinden. Praktika sind in meinen Augen das beste Werkzeug, um sich selbst die „Ahnungslosigkeit“ ein Stück weit zu nehmen und einen realistischen Einblick in die praktische Tätigkeit in den Unternehmen und damit in den verschiedenen Branchen zu erhalten. Wenn sich vor Studienbeginn die Möglichkeit für ein Praktikum ergibt, kann man sich dann für einen Studienplatz profilieren. Ich empfehle jedem, dies zu nutzen!

 

bigstock - duales studium guru - Busy Nurse's Station In Modern Hospital

Außerdem liegt für mich hierin der riesige Vorteil des dualen Studiums: Ich konnte mir ein umfassendes Bild davon machen, was mit einem BWL-Studium meine Aufgaben in einer Klinik sein können. Meine ersten Praxisphasen waren für mich wegweisend. Danach konnte ich folgende Fragen für mich selbst gut beantworten:

  • Wenn ich sehe, woran die Kollegen arbeiten: Kann ich mir vorstellen, später meinen Beruf im Gesundheitswesen ebenso auszuüben?
  • Lohnt es sich, mein BWL-Studium zu Ende zu bringen? Habe ich Lust auf meine Perspektiven mit diesem Studienabschluss?
  • Welche Tätigkeiten machen mir Spaß bzw. liegen mir und welche nicht?

 

Wie laufen Praxisphasen im Klinikum genau ab?

Für das Klinikum Itzehoe kann ich sagen: Wir sind der kaufmännische Bereich und stehen in engstem Dialog mit Medizinern und Pflegepersonal. Wir versuchen die Rahmenbedingungen und Grundlagen zu schaffen, damit diese Berufsgruppen optimal arbeiten und die Gesundheitsversorgung für den Patienten optimal erfolgen kann. Ein (großes) Klinikum hält alle kaufmännischen Bereiche vor, die es auch in anderen Unternehmen gibt: Personal, Finanzen, Qualitätsmanagement etc.

Die Praxisblöcke im Klinikum Itzehoe lassen sich dabei grob in zwei Hälften eingeteilt: In einem ersten Schritt durchlaufen die dualen Studenten sozusagen Pflicht-Abteilungen. Diese sind alle Abteilungen, die man mit einem kaufmännischen Hintergrund einfach kennen muss, beispielsweise Finanzbuchhaltung oder Personalmanagement aber auch ein Einsatz auf der Station oder in klinischen Funktionsbereichen gehört dazu.
Nicht das komplette Studium wird von Anfang bis Ende durchgeplant. Nach der Hälfte setzt besprechen duale Student und die Betreuer aus dem Personalmanagement: Wo hat es gefallen? Welche Schwerpunkte im BWL-Studium machen besonders Spaß und gibt es eine passende Abteilung? Wie soll die zweite Hälfte der Praxiseinsätze gestaltet werden?

 

Nach Ihrem Studium haben Sie ziemlich schnell eine Abteilungsleitung übernommen. War das der übliche Weg für alle dualen Absolventen direkt in einer Führungsposition einzusteigen?

Der ganz übliche Weg ist das sicher nicht und nicht jeder muss eine entsprechende Position übernehmen, nur weil er ein (duales) Studium absolviert hat. „Meine Stelle“ gab es damals in dieser Form noch nicht. Sie hat sich aus einer Stabstelle entwickelt und ist einer damals neuen rechtlichen Möglichkeit für Krankenhäuser geschuldet, im Bereich der ambulanten Gesundheitsversorgung tätig zu werden. Auch neue Aufgaben haben sich ergeben. Meine Abteilung fungiert unter anderem als Schnittstelle zwischen Klinik, ambulanter Gesundheitsversorgung im Kreisgebiet und speziell unseren MVZ.


„Jeder der Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft mitbringt, wird seinen Platz im Gesundheitswesen finden!“


 

Mich hat dieser Tätigkeitsbereich sehr interessiert. Es war die Chance, ein völlig neues und zum Teil unbekanntes Themengebiet zu be- und erarbeiten. Mit der Abteilungsleitung habe ich in der Folge dann auch die Geschäftsführung für unsere drei Medizinischen Versorgungszentren übernommen. Hinzu kommen einzelne Projekte, die durch die Klinikleitung beauftragt werden.
Im Gesundheitsbereich ergeben sich immer wieder neue Tätigkeitsfelder. Ich wage mal die These, jeder der Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft mitbringt, wird seinen Platz im Gesundheitswesen finden!

*MVZ sind Einrichtungen, in denen Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten.

 

Interviews & Erfahrungsberichte über duales Studium: Wie Du davon profitierst

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