Strumpfhosen für Superman. Und mich, die duale Studentin.

Bunte Strumpfhosen sollten Superman vorbehalten sein.

Oder der dualen Studentin.

 

Während der Schulzeit trug ich zu meinen zerrissenen Jeans gern Converse und Nirvana-Shirts, die nicht nur fürchterlich unvorteilhaft waren, sondern auch die Botschaft „Ich bin so was von gegen das System“ auf eine Art und Weise verkörperten, wie es nur zerrissene Baumwolle kann. Tja, kaum ein paar Jahre später und schon bin ich Teil dieses ganzen Systems, gegen das ich so leidenschaftlich protestiert hatte. Und das merke ich, als ich überlege, was ich anziehen soll, um mit meinen Freunden die Trimesterferien zu feiern. Immerhin handelte es sich um ganzes freies Wochenende zwischen der letzten Klausur aus dem alten und der ersten Vorlesung im neuen Trimester. An einem Wochenende bringen nicht mal Versicherungen noch ein kleines Praktikum unter, also gibt es was zu feiern.

 

still-ab_shutterstock_450280279Nachdem ich nun den Inhalt meines Kleiderschrankes vor mir ausgebreitet habe, stelle ich fest, dass dieser hauptsächlich aus schwarzen Synthetikstoffen besteht, die sich in leicht abgewandelter Form zu mehr oder minder schlecht sitzenden Hosenanzügen formen, die ich aus finanziellen Gründen allesamt im Sale von ohnehin günstigen Geschäften erstanden hatte. Selbst wenn es mir nichts ausmachen würde, zwischen den lässig hippen Studenten wie die Anstandsdame auszusehen, so bin ich sicher, dass die durchschnittliche Anzugshose in meinem Kleiderschrank dank des hohen Polyesteranteils leicht entflammbar ist und so viel Risiko möchte ich in meiner Freizeit nicht eingehen. Hat ja auch einen Grund, warum ich bei der Versicherung gelandet bin. Von diesem textilen Albtraum abgesehen liegen auf dem unansehnlichen Stapel noch drei Paar Jeans, die mir seit der letzten (oder auch vorletzten…) Lernphase nicht mehr passen. Allerdings habe ich nichts, wirklich gar nichts, was man sonst bei jungen Studenten im Kleiderschrank vermuten würde.

 

Nachdem der Abend vorbei war und ich neidisch auf die „richtigen“ Studenten in ihren lässigen Outfits und mit ihren verrückten Frisuren geschielt hatte, beschließe ich, mehr Pep in meinen Kleiderschrank zu bringen. Das wäre ja gelacht, wenn sich Versicherung, Trend und Budget nicht vereinen ließen. Ich verbringe den Samstag also mit dem Studieren von Modezeitungen und bin zunächst noch verunsicherter. Mich beschleicht überhaupt mal wieder der Verdacht, dass Moderedakteure jedes Outfit als bürotauglich betiteln, solange man nur Pumps anhat. So verfliegt eine ganze Weile, bis ich auf die Lösung stoße: farbige Strumpfhosen! Eine ganze Fotostrecke schaue ich begeistert durch. Auch das biederste Kostüm wirkt gleich frischer, fast schon cool. Ich recherchiere gleich im Internet weiter: die Strümpfe sind blickdicht, kosten nicht viel und sind auch in Größen jenseits der 36 erhältlich. Ich bestelle also Strumpfhosen in blau, türkis und rot und schiebe mir hochzufrieden eine Pizza in den Ofen.

 

superlime_shutterstock_393165772Bereits ein paar Tage später erreicht mich das Paket mit der bunten Sockenpracht. Ungewöhnlich sorgfältig bügele ich mein am wenigsten entflammbares Kostüm und lege mir die roten Strümpfe für den nächsten Tag zurecht. Selbstbewusst wie einst mit Kurt Cobains Konterfei auf der Brust stolziere ich am nächsten Morgen ins Büro und fühle mich, als hätte ich das System überlistet. Da ist er doch, der rebellische Jugendliche in mir, mit einem Hauch Carrie Bradshaw, eine Kombination, die sich unfassbar gut anfühlt. Bis sie kommen. Die Kommentare. Die mal mehr, mal weniger subtil versteckten Hinweise der Kolleginnen. „Na, das ist ja mal ein mutiges Outfit!“, „Also für mich wäre das nichts, aber zu dir passt es“, „Trägt man das jetzt so?“- was soll ich sagen, in der Mittagspause bewegte ich mich dank Ersatzstrumpfhose in der Schreibtischschublade ganz schnell wieder in die fleischfarbene Wohlfühlzone der Versicherung zurück.

 

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