Duales Studium FAQ - Was Du wissen musst

Die häufigsten Fragen rund um das duale Studium

Was ist ein duales Studium?

Ein Duales Studium kombiniert ein Studium mit einer praktischen Ausbildung bei einem Praxispartner. Dual steht hierbei für die zwei Lernorte: Hochschule und Partnerbetrieb. Das duale Studium besteht also aus Theorie- und Praxisphasen. Ziel ist ein anerkannter Studienabschluss wie in einem normalen Studium, also ein Bachelor, Diplom oder Master an einer Hochschule oder Berufsakademie. Als Praxispartner kommen Unternehmen, öffentliche Einrichtungen oder auch soziale Organisationen in Frage. Beim Praxispartner arbeitest Du dort mit und wirst praktisch ausgebildet.

Welche Fächer kann ich dual studieren?

Die meisten dualen Studiengänge werden in den Bereichen Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften, Informatik und Sozialwesen angeboten: zum Beispiel BWL, Elektrotechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder soziale Arbeit. Das Angebot ist mittlerweile sehr groß, so, dass fast jeder einen zu ihm passenden dualen Studiengang finden kann. Aber Achtung: Nicht alle Berufsbilder kann man mit einem Dualen Studium erreichen: beispielsweise Anwalt, Lehrer, Apotheker oder Arzt kannst Du mit einem dualen Studium nicht werden.

Was passiert in den Praxisphasen?

In den Praxisphasen wirst Du bei Deinem Praxispartner ausgebildet und dort in den Arbeitsalltag integriert. Du kannst also schon parallel zum Studium richtig mit anpacken. Jeder Praxispartner gestaltet diese Phasen etwas anders. Am häufigsten findest Du Dich in folgenden Situationen wieder: auf Schulungen, bei Projektarbeiten und im Tagesgeschäft.

Wo kann ich dual studieren?

Es gibt mittlerweile fast im ganzen Bundesgebiet Hochschulen, die duale Studiengänge anbieten. Man muss drei Hochschultypen unterscheiden:

  • Berufsakademien / Duale Hochschulen,
  • Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften und
  • Universitäten.

Jeder Hochschultyp bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich. Sie unterscheiden sich nach der Wissenschaftlichkeit des Studiums, der Art wie studiert wird, der gesellschaftlichen Reputation: Attraktivität in der Öffentlichkeit bzw. Anerkennung der Studienabschlüsse und der Art des verliehenen Abschlusses: Staatliche Abschlussbezeichnung gegenüber dem Akademischen Grad. Der akademische Grad wird problemlos deutschlandweit und im Ausland anerkannt.

Was ist eine Berufsakademie?

Eine Berufsakademie (BA) ist ein Bildungsinstitut, das Duale Studiengänge anbietet und einen, den Hochschulen gleichgestellten Abschluss verleiht. Genau genommen zählen Berufsakademien allerdings nicht zu den Hochschulen und können deshalb keinen wissenschaftlichen Grad verleihen. Sie verleihen staatliche Abschlussbezeichnungen (mit Zusatz (BA)).  Das kann es einem Bachelor von der BA erschweren einen Masterplatz an einer Fachhochschule oder Universität zu finden – dieses Problem wird aber immer kleiner. Das ist allerdings eher eine formale Schwäche. An einer BA studieren ausschließlich duale Studenten in kleinen Gruppen. Man kann an privaten oder staatlichen Berufsakademien studieren – dies ist abhängig vom jeweiligen Bundesland. Das Studium ist sehr praxisnah und darauf ausgelegt, dass möglichst viel akademisches Wissen in der Praxis umgesetzt wird. Die Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen nehmen Einfluss auf den Stundenplan und was unterrichtet wird. An der Berufsakademie wird man also speziell für die Praxis ausgebildet. Es herrscht Anwesenheitspflicht und wird in der Regel auch kontrolliert.

Was ist eine Duale Hochschule?

Eine Duale Hochschule (DH) bietet genauso wie eine Berufsakademie Studiengänge rein für duale Studenten an. Die Dualen Hochschulen sind aus Berufsakademien entstanden und folgen dem gleichen Lehrkonzept. Der große Unterschied zur Berufsakademie ist, dass Duale Hochschulen „richtige“ Hochschulen sind. Sie verleihen deshalb normale akademische Grade und forschen wie andere Hochschulen auch. Das macht den Übergang an die FH oder Uni für einen Master etwas leichter. Bisher gibt es eine Duale Hochschule, die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Eine andere Duale Hochschule wird noch 2016 in Thüringen entstehen: die Staatliche Berufsakademie Thüringen wird zur Dualen Hochschule Gera-Eisenach umgewandelt.

Was ist eine Fachhochschule oder eine Hochschule für angewandte Wissenschaften?

Eine Fachhochschule ist eine anwendungsorientierte Hochschule. Der Lehrstoff ist ähnlich wie bei BAs und DHs sehr stark auf eine praktische Arbeit in der Wirtschaft ausgerichtet. Die Lehre ist also ähnlich wie bei einer BA oder DH, jedoch einen Tick weiter weg von der Praxis. Im Unterschied zur DH bzw. BA werden die Lehrinhalte nicht oder nur in wenigen Ausnahmefällen mit den Praxispartnern abgestimmt. Fachhochschulen heißen mittlerweile meist Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) oder Technische Hochschule (TH). Es handelt sich hier immer um den gleichen Hochschultyp. In den meisten Studiengängen studieren Duale Studenten mit klassischen Studenten gemeinsam. Meist finden sich wenige Duale unter den normalen Vollzeitstudenten. Als Hochschule verleihen Fachhochschulen akademische Grade.

Was ist eine Universität?

Eine Universität (Uni) lehrt den Studenten die Voraussetzungen, um in eine wissenschaftliche Karriere zu starten. Universitäten genießen in Deutschland historisch gesehen den besten Ruf. Universitätsabschlüsse werden deshalb am höchsten angesehen. Ein Universitätsstudium ist allerdings deutlich praxisferner als ein FH- oder BA-/DH-Studium. Das heißt, dass an der Uni gelernter Stoff weniger leicht in der Praxis im Unternehmen angewendet werden kann. Universitäten sind außerdem organisatorisch nicht so gut auf Duale Studenten eingestellt. Deshalb ist das Angebot an dualen Studiengängen an Universitäten noch vergleichsweise klein. Trotzdem liegt es bereits bei über 70 Dualen Studiengängen.

Verdient man Geld während einem dualen Studium?

Die meisten Praxispartner bezahlen ihre Dualen Studenten für ihre Leistung im Unternehmen. Für die Studienphase wird dieses Gehalt in der Regel auch bezahlt, obwohl man in dieser Phase nichts für die Arbeit tun muss. Ein Duales Studium ist aber kein Stipendium. Das Geld wird dem Dualen Studenten also nicht geschenkt, sondern muss in den Praxisphasen erarbeitet werden. In einigen Bundesländern muss Dualen Studenten eine Mindestvergütung gezahlt werden. Je nach Studiengang und Branche verdienen Duale Studenten meist zwischen 600 und 1.200 Euro brutto. „Ausreißer“ gibt es jedoch sowohl nach unten als auch nach oben: In seltenen Fällen entfällt die Vergütung ganz, anderswo zahlen Unternehmen ihren Studenten sogar mehr als 1.800 Euro.

Kann ich mit einem Fachabitur ein duales Studium machen?

Für ein Duales Studium an einer Universität brauchst Du Abitur (allgemeine Hochschulreife). Für ein Studium an einer Berufsakademie oder Fachhochschule reicht ein Fachabitur (Fachhochschulreife). An der DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) musst Du mit einem Fachabitur noch einen zusätzlichen Studieneignungstest bestehen.

Kann ich in einem dualen Studium einen Auslandsaufenthalt machen?

Ja. In einem dualen Studium bekommst du einen Auslandsaufenthalt leichter als in einem klassischen Studium. Denn möglich sind Studienaufenthalte sowohl an ausländischen Hochschulen als auch Auslandspraktika. Voraussetzung ist allerdings, dass Dein Praxispartner Dich ins Ausland gehen lässt.

Viele Partnerunternehmen bieten Dir ein Auslandspraktikum in einer ausländischen Niederlassung an. Außerdem hast Du als Dualer Student die gleichen Möglichkeiten ins Ausland zu gehen, wie jeder andere Student: über Erasmus, Auslandssemester und andere Programme. Nur hast Du mit Deinem Gehalt mehr Geld in der Tasche als normale Studenten. Da wir einen Auslandsaufenthalt für wichtig halten, haben wir in unserem Buch einen großen Abschnitt zu Tipps rund um die Organisation des Auslandsaufenthaltes gewidmet.

Muss ich nach einem dualen Studium beim ausbildenden Unternehmen arbeiten?

Oft verpflichten Unternehmen ihre dualen Studenten noch ein bis zwei Jahre nach dem Studium im Unternehmen zu bleiben. Für die Studenten ist dies quasi gleichbedeutend mit einer Übernahmegarantie Das liegt daran, dass Unternehmen viel Geld in einen dualen Studenten investieren und auch nach dem Studium noch von der guten Ausbildung des Nachwuchses profitieren wollen. Falls man das Unternehmen vorzeitig verlässt, muss dann meist eine kleine Ablöse gezahlt werden, zum Beispiel in Höhe der übernommenen Studiengebühren.

Ist ein duales Studium schwieriger als ein normales Studium?

Ein duales Studium ist kein Zuckerschlecken. Neben dem Stress im Studium kommt Druck und zusätzlicher Lernstoff in der Arbeit dazu. Im Vergleich zu einem normalen Studenten hast Du außerdem viel weniger freie Tage. Wir kennen viele Studenten die sowohl dual als auch normal studiert haben. Ihr Fazit war fast ausnahmslos, dass ein duales Studium deutlich anstrengender ist. Wie schwierig ein Studium ist, hängt aber auch zusätzlich vom Studienfach und der Hochschule ab. Sei Dir bewusst: lässt Du Dich auf ein duales Studium ein, kannst Du viel lernen; bekommst mit, wie die Wirtschaft tickt; musst dafür aber auch in kurzer Zeit sehr viel leisten.

Kann ich nach einem dualen Studium einen Master machen?

Ja. Nach einem dualen Studium kannst Du natürlich noch an einer anderen Hochschule im In- und Ausland weiterstudieren. Informieren solltest Du Dich an Deiner Wunschhochschule, ob Du nach Deinem Berufsakademie-Bachelorstudium problemlos einen Master draufzusatteln kannst. Manchmal müssen bestimmte Fächer nachgeholt werden, damit der wissenschaftliche Anspruch gewährleistet ist. Duale Hochschulen bieten mittlerweile eigene Masterprogramme an, die berufsbegleitend sind.

Wie lange dauert ein duales Studium?

Das hängt vom Abschluss ab. Ein duales Bachelor-Studium dauert zwischen drei und viereinhalb Jahren. Beinhaltet ein duales Studium Bachelor- und Masterabschluss dann dauert das Studium um die fünf Jahre.

Wie viel Freizeit habe ich als dualer Student?

Ein dualer Student hat weniger Freizeit als ein normaler Student. Statt zweimal im Jahr mehrwöchige Semesterferien genießen zu können, begnügt sich der Duale Student mit ca. 30 Urlaubstagen. Urlaub kann man meist auch nur in der vorlesungsfreien Zeit nehmen, also nur wenn man in dieser Zeit im Unternehmen wäre und nicht studieren müsste. Auch während des Studiums hat man weniger Freizeit als in einem klassischen Studium. Da Arbeit und Studium parallel laufen, muss der duale Student sich oft auch noch nach einem Achtstunden-Arbeitstag zuhause an den Schreibtisch setzen, um für die nächste Vorlesung zu büffeln. Die gute Seite ist: Als Dualer Student lernt man automatisch, wie man seine Freizeit effektiv nutzt.

Wie lang gibt es das duale Studium schon?

Das duale Studium wurde mit der Gründung der Berufsakademien in Baden-Württemberg Mitte der 1970er Jahre eingeführt. Ein starker Zuwachs der Angebote für duale Studenten ist  erst seit der Jahrtausendwende zu beobachten. Mittlerweile gibt es über 1.000 Studiengänge und je nach Zählweise um die 95.000 duale Studenten.

Muss ich ein gutes Abitur haben um dual studieren zu können?

Die meisten dualen Studenten haben mindestens gute Noten. Denn als dualer Student muss man von einem Praxispartner ausgewählt werden. Die Plätze für sind begehrt und vor allem große Unternehmen bekommen sehr viele Bewerbungen. Noten alleine sind aber nicht entscheidend. Du kannst Dich mit anderen Qualitäten von anderen Bewerbern abheben, wie interessanten Schülerpraktika oder einem Schuljahr in den USA. Mehr Tipps dazu liefern Dir unsere Interviewpartner. In unserem Ratgeberbuch haben wir einen großen Teil speziell der Bewerbung und dem Auswahlverfahren gewidmet.

Was ist der Unterschied zwischen ausbildungs- und praxisintegrierten Studiengängen?

Ausbildungsintegriertes/ ausbildungsintegrierendes Studium (auch: Verbundstudium): Studium + Berufsausbildung

Deine Ausbildung in den Praxisphasen wird durch einen anerkannten Ausbildungsabschluss von der Handwerkskammer (HWK) oder der Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifiziert: zum Beispiel als Kfz-Mechatroniker oder Bankkaufmann

 

Praxisintegriert/ praxisintegrierendes Studium (auch: Studium mit vertiefter Praxis):

Studium + Langzeitpraktikum

Im Wechsel absolvierst Du Theorie- und Praxisphasen. Während der Praxisaufenthalte bekommst Du einen tiefen Einblick in die betrieblichen Abläufe und Abteilungen. Die Praxisinhalte sind für die Unternehmen und öffentliche Einrichtungen freier wählbar. Du erwirbst parallel keinen anerkannten Ausbildungsberuf.

Beide Varianten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Ist ein duales Studium weniger angesehen als ein klassisches Studium?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Gerade große Unternehmen machen seit Jahrzehnten sehr gute Erfahrungen mit ihren dualen Studenten. Eine Karriere ist natürlich mit beiden Studienmodellen möglich. Bis in die DAX-Vorstandsetage sind auch ehemalige Duale Studenten bereits aufgestiegen.

Auch in der Hochschullandschaft wird das duale Studium anerkannt: Einer unserer Interviewpartner bestätigte uns, dass das duale Studium wegen der Praxisanteile und der Vergütung zum Beispiel in den USA angesehen ist. Er hat sich erfolgreich an der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology für Auslandssemester beworben.

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