Interviews mit dualen Alumni: Felix Leonhardt

Früher duale Studenten, heute Unternehmer: Johannes Nass, Felix Leonhardt und Sven Perten

 

 

Noch während seines dualen Studiums an der Nordakademie FH Elmshorn hat Felix Leonhardt mit seinen Kommilitonen, Johannes Nass und Sven Perten, 2012 ein erstes Unternehmen gegründet. Seit 2014 firmieren die Jungs unter ihrem neuen Namen purefood. Sie haben es sich zur Mission gemacht, mit guten Lebensmitteln einen Beitrag für eine Welt ohne Hunger zu leisten. Als Partner für ihre Projekte konnten sie die Welthungerhilfe gewinnen. Bis jetzt konzentriert sich das Team auf natürlichen und gleichzeitig leckeren Bio Frozen Yogurt. Den gibt es unter der Marke Lycka bisher online und im Naturkosthandel, sowie REWE- und Edeka-Märkten zu kaufen. Mit jedem verkauften Becher wird einem Kind in einem Entwicklungsland eine warme Schulmahlzeit ermöglicht.

 

Interview mit Felix Leonhardt über das duale Studium

 

Felix, wieso hast Du Dich nach der Schule für ein duales BWL-Studium entschieden?

Für mich war schon in der Schulzeit klar, dass ich mich irgendwann selbstständig machen möchte – nur noch nicht genau mit welcher Idee. Dann kam noch der finanzielle Aspekt hinzu: Ich wollte mich für mein Studium nicht verschulden oder meinen Eltern auf der Tasche liegen. Als gebürtiger Cuxhavener kitesurfe ich außerdem in jeder freien Minute. Mein Hobby wollte ich auf keinen Fall fürs Studium aufgeben. Deshalb kamen nur Städte in Küstennähe für mich in Frage. Diese drei Punkte sah ich für mich mit einem dualen Studium an der Nordakademie als erfüllt an.

 

Und haben sich für Dich im Nachhinein alle drei Punkte bewahrheitet?

Das mit dem Kitesurfen hat schon mal weiterhin geklappt. Am Monatsende war auch immer Geld übrig – also meine Finanzen hatte ich dank Vergütung auch im Griff. An die Studieninhalte hatte ich allerdings teilweise andere Erwartungen. Leider konnte ich nicht so viel für meine Unternehmensgründungen mitnehmen, wie ich mir erhoffte. Das liegt daran, dass die Studiengänge an Dualen Hochschulen oder privaten Fachhochschulen ja ganz eng am Bedarf der Praxispartner ausgerichtet sind. Die Praxispartner möchten natürlich ihre neuen Mitarbeiter behalten. Es ist ja nicht ihr Ziel, dass sich ihre Nachwuchstalente nach dem Studium alle selbstständig machen – so wie ich das getan habe. Wahrscheinlich tauchen deshalb selbst in einem dualen BWL-Studium ganz wenige Studieninhalte auf, die einem bei einer eigenen Unternehmensgründung helfen. Aber trotzdem ist es für mich mit dem Dualen Studium insgesamt gut gelaufen, da ich in den Praxisphasen früh mitbekommen habe, wie Unternehmen funktionieren. Diese Erkenntnisse hätte ich als klassischer Student erst viel später gewonnen. Und am allerwichtigsten: Ich habe meine Co-Founder im dualen Studium kennen gelernt.

 

Was erwartet einen bei einer Unternehmensgründung? Welche Aufgaben verantwortest Du bei purefood?

Letztlich am Anfang quasi alles. Mittlerweile sind wir etwas weiter und haben die Aufgaben unter uns besser aufgeteilt. Ich verantworte bei uns den Finanzbereich und den Vertrieb. Als Gründer muss man sich und seine Idee immer verkaufen, das ist ein großer Teil meiner Tätigkeit. Bei der Kaltakquise neuer Geschäftspartner helfen mir die Übungen aus einer Verkaufserfahrung aus meiner dualen Studienzeit.

 

Ihr überlegt, in Eurem Unternehmen auch duale Studenten einzustellen. Wenn Du Dich nochmal an Dein Duales Studium zurückerinnerst: Wirst Du in der Ausbildung „Deiner“ dualen Studenten etwas anders machen?

Ja, da gibt es tatsächlich etwas. Manchmal habe ich mich in meinem dualen Studium teilweise lediglich als die ausführende Kraft gefühlt. Das möchte ich in meinem eigenen Unternehmen anders gestalten. Unsere dualen Studenten bekommen anders als in vielen Großkonzernen keine Aufgaben delegiert, sondern vielmehr Ziele. Diese Freiheit zeigt ein hohes Maß an Vertrauen in die Qualitäten der Studenten. Dabei setzen wir auf Eigenmotivation als Antrieb.


„Unsere dualen Studenten bekommen anders als in vielen Konzernen keine Aufgaben delegiert, sondern vielmehr Ziele.“ 


Ich würde die größten Probleme oder Chancen meines Unternehmens identifizieren und einfach mal ein Team von dualen Studenten für 3-6 Monate darauf anzusetzen, das Problem zu lösen, oder die Chance anzugehen. Im schlimmsten Fall ist das Investment in Gehalt limitiert und für alle eine sinnvolle Lernerfahrung.

 

Auf welche Qualitäten achtest Du bei Deinen Bewerbern besonders?

Wir werden sehr stark danach auswählen, ob der Bewerber Herzblut mitbringt: Ich möchte merken, dass die- oder derjenige mit Feuer und Flamme dabei sein kann. Wenn das gegeben ist, und jemand Gas geben will, übertragen wir gerne sehr früh Verantwortung. Dazu gehört dann auch: Rein ins kalte Wasser und schwimmen lernen, ohne umfangreiche Anleitung. Ich bin überzeugt, dass junge Menschen daran am meisten wachsen.

 

Du hast Dir selbst schon während Deines dualen Studiums gewisse Freiheiten genommen. Dein Lebenslauf liest sich mehr als nur spannend. Als dualer Student an der „kleinen“ Nordakademie hast Du am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an der Harvard University ein Auslandssemester verbracht. Wie hast Du das geschafft?

Immer wenn ich das gefragt werde, finde ich, dass meine Antwort fast zu simpel klingt. Aber recht unspektakulär war es tatsächlich: Ich habe mich einfach beworben. Bei der Bewerbung habe ich mein duales Studium stark in den Vordergrund gestellt. Meiner Erfahrung nach, wird in den USA die gesammelte Arbeitserfahrung während des Studiums viel mehr wertgeschätzt. Dort reizt sie die Kombi mit den Praxiseinheiten sehr. Als ich mich später für meinen Master an der HEC School of Management in Paris beworben habe, merkte ich dies wieder.
duales studium guru - bigstock - Different people. Run to new opportunities


„Meiner Erfahrung nach, wird in den USA die gesammelte Arbeitserfahrung während des Studiums viel mehr wertgeschätzt. Dort reizt sie die Kombi mit den Praxiseinheiten sehr. Versucht es einfach und bewerbt euch an eurer Traumuni!“ 


Dazu kommt, dass ich schon immer ausprobieren musste, ob etwas scheinbar unmögliches tatsächlich nicht geht. Probiert neue Dinge aus! Diesen Rat gebe ich auch jüngeren dualen Studenten gerne mit auf den Weg. Von zweien weiß ich, dass es bei ihnen auch mit Harvard geklappt hat. Versucht es einfach und bewerbt euch an eurer Traumuni! Nur der Versuch macht klug. Wenn man immer nur die eingetrampelten Pfade geht, macht man ja nie neue Erfahrungen.

 

Interviews & Erfahrungsberichte über das duale Studium: Wie Du von ihnen profitierst

Unsere Mission ist es, duale Studenten und alle, die es werden wollen so gut wie möglich zu unterstützen. Deshalb führen wir eine Reihe von Interviews mit ehemaligen dualen Studenten (duale Alumni) und zeigen Dir, was man mit einem dualen Studium so alles erreichen kann. Außerdem bekommst Du so Ratschläge aus erster Hand, wie Du mit dem dualen Studium am besten Deinen Weg gehst. Unsere Interviews sind 100% unabhängig. Viel Spaß beim Lesen, inspirieren lassen und Vorbilder suchen. In unserem Buch findest Du weitere spannende Interviews und Erfahrungsberichte.

 

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