Karriere mit dualem Studium: Interview mit Pierre Haarfeld

Über Pierre Haarfeld:

 

Pierre_Haarfeld_duales Studium - KopiePierre Haarfeld ist Partner bei der E-Commerce Beratung eTribes in Hamburg. Er kümmert sich dort um den Bereich Home & Living und unterstützt mit seinen fundierten Branchenerfahrungen Unternehmen, wie Gruner + Jahr bei der Konzeption neuer Geschäftsmodelle. Pierre Haarfeld ist zudem Autor der Branchenstudie „Knut bleibt sitzen“, Kurator für den Digital-Commerce-Day in Hamburg und Speaker auf Digitalkonferenzen. Zuvor beriet er im Rahmen seiner Tätigkeit als Referent der Geschäftsführung eine der führenden Verbundgruppen beim digitalen Transformationsprozess. An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster hat er berufsbegleitend seinen Executive MBA mit Schwerpunkt Marketing absolviert und am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Backhaus seine Thesis über „Die Nutzung von Start-Up-Inkubatoren zur Identifikation von Marktchancen“ geschrieben.  Seit drei Jahren ist er zusätzlich Dozent an der Duale Hochschule Baden-Württemberg und übernimmt dort die eCommerce Einführungsvorlesung.

 

 

Ich erreiche Pierre an einem Freitagabend kurz nach halb zehn. Eigentlich hatten wir unser Telefoninterview für den Nachmittag vereinbart. Doch wie das Geschäftsleben manchmal so mitspielt, kam ihm ein wichtiges Meeting dazwischen und er bat mich, auf den Abend zu verschieben. Während andere längst ihr Wochenende einläuten, endet der Arbeitstag für einen jungen Gründer häufig noch lange nicht…

 

Interview mit Pierre Haarfeld über das duale Studium

 

Pierre, heute arbeitest Du für eine auf Onlinehandel spezialisierte Unternehmensberatung und führst parallel noch mehrere weitere Gründungsprojekte. Mit einem dualen Studium an der DHBW bist Du ins Berufsleben gestartet. Aus welchen Gründen hast Du Dich damals dafür entschieden?

Da gab es verschiedene Gründe. Mir war wichtig, dass ich in meinem Praxisunternehmen einen Auslandsaufenthalt absolvieren kann und ich mir durch die Vergütung keine Sorgen um meine Studienfinanzierung machen musste. Hinter diese beiden Voraussetzungen und, dass ich es in meine Wunschbranche schaffe, wollte ich jeweils einen Haken setzen. Meine Wunschbranche war schon recht lange Home & Living. Die Möbelbranche finde ich auch heute immer noch einfach anziehend; da bin ich ein bisschen positiv verrückt. Ich liebe Möbel einfach als Produkt: So eine hochwertige neue Küche zum Beispiel hat für mich etwas elegant-ästhetisches. Wenn mich ein Freund nach Hause einlädt, um mir seine neue Küche zu zeigen, muss ich mir die unbedingt ansehen.  Meine Freunde wissen längst, dass sie mir einen Gefallen tun, wenn sie mir anbieten, mir ihre neue Küche vorzuführen.

 

Seit Deinem Abschluss an der DHBW 2012 hast Du bereits eine eindrucksvolle Liste an Unternehmen und Positionen in der Möbelbranche durchlaufen. Hattest Du bei Deinen Berufswechseln auch jedes Mal solche konkreten Vorstellungen?

Für mich hat sich während meines Studiums verfestigt, dass ich für mich die richtige Branche entschieden habe. Ich denke, wenn man beruflich erfolgreich werden will, muss man sich einfach aus sich selbst heraus für sein Schaffensfeld begeistern können. Das sollte sich jeder selbst fragen, was das für ihn sein kann.


„…wenn man beruflich erfolgreich werden will, muss man sich einfach aus sich selbst heraus für sein Schaffensfeld begeistern können.“


Im Studium selbst ist für mich auch sehr schnell klar geworden, dass ich zum einen unternemerisch tätig sein möchte und zum anderen tiefer in den Bereich E-Commerce einsteigen will. Während meiner Marketingvertiefung an der DHBW hatte ich dann das Glück einen super engagierten Professor zu haben. Dieser hat für mich eine Art Mentorenrolle eingenommen. Zu den sehr guten Ratschlägen gehörte sicherlich, dass eine Karriereplanung langfristig angelegt werden sollte. Und mit langfristig meine ich eher einen Horizont von zehn anstatt fünf Jahren. Keine Frage, es kommt natürlich oft anders im Leben, aber ich muss mir eine grundlegende Frage stellen: Wo will ich wirklich hin? Nicht: Bei welchem Unternehmen möchte ich als nächstes Arbeiten, sondern: In welcher Rolle sehe ich mich? Deshalb war es für mich auch wichtig meine Lernkurve im Bereich E-Commerce so steil wie möglich zu gestalten. Um das zu erreichen, habe ich ein Angebot der Marketingabteilung meines dualen Ausbildungspartners ausgeschlagen und bin zu der führenden E-Commerce Agentur gewechselt. Bei diesem Schritt habe ich auch bereitwillig einen Rückschritt in meiner Gehaltsplanung akzeptiert.


„Wir dualen Studenten denken viel zu früh an das große Geld.“


 

Wir dualen Studenten denken viel zu früh an das „große Geld“. Kein Wunder, durch das gute Einkommen sind wir während des Studiums im Gegensatz zu „normalen Studenten“ ganz schön verwöhnt und wollen gerne nach dem Studium schnellstmöglich von Gehaltsstufe zu Gehaltsstufe springen. Das ist aus meiner Sicht der völlig falsche Ansatz und verbaut sehr viel. Ich sollte eher schauen, dass ich Experte auf meinem Wunschgebiet werde und mich so lange wie möglich unabhängig mache. Einige von meinen Freunden würden sich jetzt gerne selbstständig machen, kommen aber nicht mehr aus dem „Hamsterrad“ heraus.
Success In Career - duales studium guru

 

Hat Dich Dein duales Studium aus Deiner jetzigen Perspektive also eher eingeschränkt?

Nein, keinesfalls! Während des dualen Studiums war ich zugegebenermaßen sehr ungeduldig und hätte mich währenddessen gerne schon mit anderen Themen beschäftigt. Aber im Nachhinein war der duale Weg genau der richtige für mich. Als größten Mehrwert empfinde ich bis heute noch, dass ich nach Beendigung des dualen Studiums bereits drei Jahren in einem Unternehmen gearbeitet habe und wertvolle Berufserfahrung sammeln konnte. Das betrifft nicht nur den fachlichen Transfer von Theorie zu Praxis, sondern insbesondere auch die wertvolle Erfahrung mit einer Unternehmenskultur und allem was dazugehört. Außerdem hat mein Ausbildungspartner durch einen praktischen Auslandseinsatz, der Förderung eines Auslandssemesters und vielen spannenden Projektphasen zur persönlichen Weiterentwicklung beigetragen. Für diese super Basis bin ich bis heute noch sehr dankbar.

 

Gab es für Dich denn auch Facetten Deiner Studienzeit, die Du Dir anders gewünscht hättest?

Leider gab es zu meiner Studienzeit keine Möglichkeiten für ein Studium generale. Ich hätte gerne Veranstaltungen aus weiteren Fachrichtungen besucht. Das sehr verschulte System bietet sicherlich viele Vorteile, kann aber auch zur Gleichmacherei und geringen Möglichkeiten für die persönliche Entfaltung führen. Trotzdem würde ich ein duales Studium immer wieder wählen. Auch bei dem vollen Zeitplan haben meine Kommilitonen und ich Zeit für Freizeitaktivitäten und Co. zur Abrundung des Studienalltags gefunden. In besonderer Erinnerung bleibt mir ein Roadtrip nach Schottland.

 

 

… als ich kurz nach zehn die späte Stunde bemerke, beschließe ich, Pierre nicht weiter mit meinen Fragen zu löchern und unser Interview nun zum Abschluss zu bringen. Er sieht es mit der Uhrzeit völlig entspannt – sagt er mir doch, ich habe ihn nur eine halbe Stunde bei der Vorbereitung seiner morgigen Termine unterbrochen. Mich fasziniert sein Fleiß und wie gelassen ich Pierre gleichzeitig erlebt habe…

 

Wie ihr von den Interviews profitiert

 

Unsere Mission ist es, duale Studenten und alle, die es werden wollen so gut wie möglich zu unterstützen. Deshalb führen wir eine Reihe von Interviews mit ehemaligen dualen Studenten (duale Alumni) und zeigen euch, was man mit einem dualen Studium so alles erreichen kann. Außerdem bekommt ihr so Ratschläge aus erster Hand, wie ihr mit dem dualen Studium am besten euren Weg geht. Unsere Interviews sind 100% unabhängig. Viel Spaß beim Lesen, inspirieren lassen und Vorbilder suchen. In unserem Buch findet ihr weitere spannende Interviews.

 

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