Vier Tipps für duale Studenten aus „Deutsch für junge Profis“

Wenn Johann Wolfgang von Goethe in unserer Zeit geboren wäre, wäre er bestimmt dualer Student gewesen. Denn wir alle wissen, er war ein echter Überflieger. Aber auch wir als normalsterbliche duale Studenten können unser geschriebenes und gesprochenes Deutsch mit ganz einfachen Tricks verbessern. Das ist eine wichtige und oft vernachlässigte Fähigkeit: Im Beruf schreiben wir jede Woche Berichte, Protokolle oder halten Präsentationen. Im Studium müssen wir bei Referaten und Hausarbeiten zeigen, wie gut wir darin sind, Inhalte mit unseren Worten zu transportieren. Wir haben für Dich 4 Tipps für eine geschliffene Sprache aus dem Buch „Deutsch für junge Profis“ vom Papst unter den Sprachstillehrern herausgesucht – so kommst Du dem Goethe unter den dualen Studenten ein Stück näher.

 

1. Wecke mit Deinem ersten Satz Interesse

„Ich habe die Zukunft gesehen, und sie wird nicht funktionieren“: so beginnt der Volkswirt Paul Krugman seinen Bericht über eine Studienreise nach China. Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Hier gilt es, Neugierde zu wecken und dem Leser Lust auf mehr zu machen.

Wie kann man mit einem fesselnden ersten Satz im dualen Studentenleben punkten? Ganz einfach: stell Dir vor, Du gibst Deine Bachelorarbeit in Marketing ab und sie beginnt im gleichen Stil, wie die Deiner Kommilitonen: „Die Globalisierung hat zu einem stärkeren Wettbewerb geführt, wodurch die Bedeutung von Marketing stetig wächst“.  Das ist langweilig, nichtssagend, emotionslos und baut auch keine Brücke zum Leser auf. Und nun stell Dir vor, Du schreibst dagegen so etwas: „Eine Haut-Creme kostet durchschnittlich zwei Euro. Davon werden nur 25 Cent für die Produktion benötigt, aber ganze 1,50 Euro fließen direkt ins Marketing-Budget für die Creme.“ Ein interessanter Einstieg erleichtert den Korrektoren das Weiterlesen, baut Spannung auf, und am Ende fällt Deine Note besser aus.

Auch bei der Bewerbung kannst Du mit einem originellen Einstieg eventuell leichter auffallen, als mit guten Noten.
duales studium guru - bigstock - Beitragsbild

 

2. Spare an Einschüben

Vermeide unnötige Einschübe in Sätzen! Einschübe stören den Lesefluss und erschweren es uns, den Satz zu verstehen. Ein Beispiel dazu aus einer Bewerbung: „Meine Begeisterung für Technik und Fahrzeuge, vor allem für verschiedene Flugzeugtypen und -antriebe, ist ausschlaggebend für meine Bewerbung für das duale Studium Luft- und Raumfahrttechnik.“

Wenn Du mit einem Nebensatz noch ein bisschen mehr erläutern musst, dann  stelle diesen hinter den Satz.  Einfacher wäre: „Ausschlaggebend für meine Bewerbung für das duale Studium Luft- und Raumfahrttechnik ist meine Begeisterung für Technik und Fahrzeuge, vor allem für verschiedene Flugzeugtypen und -antriebe.“

Wenn Du mit dem Einschub etwas Wichtiges sagen willst, wäre es besser, das noch einmal durch einen extra Satz zu betonen: „Ausschlaggebend für meine Bewerbung für das duale Studium Luft- und Raumfahrttechnik ist meine Begeisterung für Technik und Fahrzeuge. Flugzeuge und Flugzeugantriebe faszinieren mich schon von klein auf.“

Noch ein weiterer Tipp hierzu: Falls Du einen Einschub machst, halte ihn möglichst kurz! Wolf Schneider empfiehlt pro Einschub mitten im Satz maximal sechs Wörter – aber überhaupt nur, wenn es denn sein muss.

 

 

3. Benutze kurze Wörter

Was haben die folgenden Wörter gemeinsam: Motivationsgründe, Bewerbungsunterlagen, Programmplanung, Luftfahrtantriebstechnik? Alle Wörter sind sehr lang und deshalb wenig einprägsam. Der Inhalt der Worte kann auch kürzer und weniger kompliziert ausgedrückt werden: Zum Beispiel so: Motivation, Unterlagen, Programm, Technik der Luftantriebe.

Das bekannte englischsprachige Wirtschaftsmagazin The Economist empfiehlt seinen Autoren:

„Benutze nie ein langes Wort, wenn es ein kurzes auch tut“.

Mache dem Leser das Leben leichter: Ersetze lange komplizierte Wörter durch kurze, leicht verständliche Ausdrücke – egal ob in Deiner Bachelorarbeit, einem Bericht in der Arbeit oder Deiner Bewerbung. Achte aber darauf, dass Du keine Fachbegriffe verfälschst. Der Leser wird es Dir danken. Seine Konzentration wird nicht für das Entziffern längerer Wörter verbraucht, sondern für das Verständnis des Textes.

dualer Student beim Lernen

 

4. Trau Dich, wichtige Wörter öfter zu wiederholen

Ein kleines W am Seitenrand des Schulaufsatzes zeigt schon einem Fünftklässler, dass er gesündigt hat: Der Lehrer hat eine Wortwiederholung gefunden. Sicher hast Du in der Schule auch gelernt, dass man möglichst kein Wort zwei Mal hintereinander verwendet. Wer sich dieser Regel widersetzt, dem droht schnell eine schlechtere Note. Bis ins Mark verinnerlicht, vermeiden wir Wortwiederholungen – fast zwanghaft – auch im Studium und in der Arbeit.

Dass das beim Leser nicht immer gut ankommt, habe ich erst bei einer Seminararbeit in der Uni gemerkt. Dort habe ich fünf verschiedene Wörter für den Euroraum benutzt und damit einen Knoten im Gehirn des Dozenten zu verantworten. Prompt fiel meine Note, wegen Abzügen beim sprachlichen Stil, schlechter aus.

Wolf Schneider erklärt, wann Du Synonyme verwenden sollst und wann nicht. Übertragen auf typische Situationen, die jeder duale Student kennt, bedeutet das:

  • Benenne Hauptsachen beim Namen und lasse die Synonyme weg, zum Beispiel
    • Bei der Bewerbung: Keine Synonyme für die Stellenbeschreibung oder den Studiengang
    • Bei Studienarbeiten: Keine Synonyme für Fachbegriffe oder Begriffe, die im Themennamen vorkommen
    • Bei Berichten in der Arbeit: Nenne die wichtigen Dinge beim Namen: Sage Budget statt Geldtopf

 

  • Benutze Synonyme für Nebensachen, hier hast Du ein paar Beispiele:
    • Bei der Bewerbung: Schreibe nicht zweimal Begeisterung, sondern nimm ein Synonym wie Freude, Spaß etc.
    • Bei der Studienarbeit/ Projektarbeit: Schreibe nicht immer Darstellung, sondern verweise stattdessen auch mal auf einen Graph, ein Diagramm oder eine Abbildung
    • Bei Berichten in der Arbeit: Die Leistung des Motors kann sich steigern, erhöhen, zunehmen etc.

 

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